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Ausflug

An Schiller gewann die Welt einen Dichter – und verlor einen Arzt. Beides ist erfreulich

Friedrich Schiller
Kein Arzt, dem die Frauen vertrauen: Friedrich Schillers selbst entwickelte Rezepturen waren berüchtigt

Er war ein Schnüffler: Ohne den Duft fauler Äpfel konnte er nicht schreiben.
Er war ein Junkie: Ohne Schnupftabak ging ihm die Puste aus.

Und er war zweifellos ein genialer Dichter, der bis heute Weltruf genießt. Seine „Ode an die Freude“ kennt man selbst in Japan. Von seiner Ausbildung her war Friedrich Schiller jedoch Mediziner – und hat als solcher nicht mal in Deutschland einen Namen.

Mit gutem Grund. Schiller kannte seine Schwächen als Arzt wohl selbst gut genug. Er nahm sie sogar auf die Schippe. In einer anonym verfassten Selbstrezension schrieb er: „Der Verfasser der ‚Räuber‘ soll ein Arzt bei einem württembergischen Grenadier-Bataillon sein (…) So gewiss ich sein Werk verstehe, so muss er starke Dosen in Emeticis (Brechmitteln) ebenso lieben als in Aestheticis, und ich möcht ihm lieber zehn Pferde als meine Frau zur Kur übergeben.“

Übergeben, das ist das Stichwort: Schillers Patienten kamen nicht darum herum. So soll der spätere „Wallenstein“-Autor in seiner Zeit als Regimentsarzt in Stuttgart Mixturen verordnet haben, bei denen den ihm anvertrauten 240 invaliden Soldaten Hören und Sehen verging. Sein Vorgesetzter musste die Notbremse ziehen: Heimlich hielt er die übrigen Ärzte an, ihm Schillers Rezepte vor der Anwendung vorzulegen – und änderte sie um. So rigide wie seine Rezepturen war auch Schillers medizinische Ausbildung. Studiert hat er in Stuttgart, an der strengen „Karlsschule“ des württembergischen Herzogs und Landesherrn Karl Eugen. Dort lernt er fleißig, wohnt einer Obduktion bei, ist Wärter im Schulkrankenzimmer. In der Theorie ist er keineswegs unterbelichtet, trotzdem gelingt ihm die Dissertation erst im dritten Anlauf. Thema: „Über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen“, für manche späteren Zeitgenossen eine Quellschrift der modernen Psychosomatik.

Doch Schillers eigentliche Leidenschaft ist schon damals eine ganz andere: Nachts im Bett schreibt er heimlich an seinem ersten Drama „Die Räuber“. Als dieses schließlich in Mannheim uraufgeführt wird, macht er kurzerhand blau und fährt hin. Bei einem zweiten Ausflug kommt der Herzog dahinter und straft ihn: Schiller dürfe fortan nur noch medizinische Werke zu Papier bringen. Das ist zu viel! Der Jungdichter flüchtet aus Württemberg – und seine Karriere als Arzt ist nach nur ein drei viertel Jahren zu Ende.

Oder etwa nicht? Auch als er längst vom Schreiben leben konnte, wollte er off enbar noch immer nicht ganz vom Verschreiben lassen. Noch 1799, in Weimar, notierte der inzwischen 40-Jährige auf Kalenderblättern zwei Rezepte. Eines trägt den Titel „Gegen den Catarrh“ und hat vermutlich eine Erkältung verschlimmbessert. Das andere dürfte zur Behandlung von Unruhezuständen, Krämpfen und Nervenfi ebern gedacht gewesen sein. Mögliche Risiken und Nebenwirkungen erwähnte Dr. Schiller nicht.

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