
Heilung durch den Holodoc
Viele Innovationen in der Medizin haben entsprechende Vorläufer im Science-Fiction-Genre. Und die Wissenschaftler stehen dazu
Er war Sympathieträger und einer der wichtigsten Helden von „Raumschiff Enterprise“: Bordarzt „Pille“ McCoy strich mit dem sogenannten Tricorder über einen kranken Körper und stellte auf Anhieb eine Diagnose. Millionen Menschen verfolgten die Science-Fiction-Serie. Und die wenigsten ahnten, dass es sich bei dem länglichen Instrument in Wirklichkeit um einen Salzstreuer handelte. Auch George Stetten, Professor für Bioengineering an der University of Pittsburgh, wusste dies nicht – und doch fühlte er sich inspiriert und entwickelte ein mobiles Röntgengerät. Er gibt zu: „Ich bin heftig beeinflusst von Filmen, speziell ‚Star Wars‘, ‚Dune‘ und ‚Star Trek‘.“
Stetten, der übrigens selbst einen Zukunftsroman verfasst hat, ist keine Ausnahme. John Adler, Gehirnchirurg an der Stanford University: „Dr. McCoys Krankenstation revolutionierte unsere Vorstellung in der Behandlung von Patienten.“ Adler ist die Erfindung des Cyberskalpells zu verdanken. Er war fasziniert von der Idee, ohne viel Blut und tiefe Schnitte zu operieren. Inzwischen profitieren viele Krebspatienten von der neuen Technologie: Kombiniert mit modernster Robotik ermöglicht sie operative Eingriffe mit absoluter Präzision. Tumore werden dabei per Laserstrahl zerstört, die Methode ist so genau, dass dabei sogar die Atembewegungen des Kranken berücksichtigt werden. Star Trek war auch wegen des Holodoc zukunftsweisend. Dieses personifizierte Notfallprogramm verbunden mit Best Practice präsentierte in jeder Krisensituation die beste Lösung und war – was sonst – allzeit verfügbar.
Insofern verkörpert der Holodoc eine frühe Variante von E-Health. Seiner Zeit voraus war auch der „Autodoc“: eine vollautomatische Operationseinheit, mit der Patienten in einem sargähnlichen Behältnis untersucht und behandelt werden. Die Idee stammt aus „Ringworld“, einer Science-Fiction-Novelle aus dem Jahr 1970. Von dort ist es ein nur ein gedanklicher Katzensprung zum Film „Das fünfte Element“ aus dem Jahr 1997. In der Schlüsselszene liegt die Außerirdische Leeloo in einer Art gläsernem Schneewittchensarg. Blitzartig reparieren sich ihre Zellen, auf Knopfdruck wickeln sich Thermobandagen um ihren Körper. Sekunden später ist die Heldin im Vollbesitz ihrer Kräfte und sucht quicklebendig das Weite.
Im Film steht medizinische Technologie mitunter auch für die Macht des Bösen. Ins Handgelenk eingebrannte Informationen und ein fest sitzender Armreif, damit werden in „Die Insel“ alle Menschen rund um die Uhr überwacht. Auch diese Idee ist längst in der Realität angekommen. Veri-Chip heißt ein reiskorngroßes Implantat, das in den USA bereits 2004 offiziell zugelassen wurde. Der Chip dient als Notfallausweis, Ärzte können mit einem speziellen Lesegerät den Patienten identifizieren und in einer Datenbank seine Krankengeschichte abfragen. Und es ist kein Zufall, dass ein US-Unternehmen im Zeitalter von RFID-Technologie seine Mitarbeiter mit dem Chip ausstattet. Damit ist ihr Kommen und Gehen kontrollierbar, der implantierte Firmenausweis kann niemals verloren gehen. Wer ihn allerdings wieder loswerden möchte, muss ihn sich herausoperieren lassen. Überwachung rund um die Uhr – bei Aldous Huxley und seinem Kultklassiker hieß diese Idee schon 1932 „Schöne neue Welt“.



