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Basis für eine optimale Therapie von Krankheiten ist eine gute Diagnose

health+ spezial: Knochenarbeit
Neue Techniken für Alte Probleme

Weil sich die Erkenntnisse in der Medizin immer weiter entwickeln, müssen sich auch die Operationstechniken anpassen. Darauf haben sich die Kliniken in der Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg eingestellt. Von dort kommen mittlerweile viele Innovationen, die für die Expertise ihrer Entwickler sprechen.

Egal, ob an Nase, Hüfte oder Wirbelsäule – in modernen Kliniken sind heute Eingriffe möglich, die es vor kurzem noch nicht gab. Mitunter wurdensie direkt im eigenen Haus entwickelt

Eine Krone für die Hüfte

Wann immer möglich, versucht Dr. Cyrus Sarem, ein natürliches Hüftgelenk zu erhalten und lediglich dessen Oberfläche zu ersetzen

Dinge immer besser machen, daran arbeiten auch Ärzte in der Hüftchirurgie. Verschlissene Hüftgelenke zählen zu den häufigsten Indikationen überhaupt in der Orthopädie. Einer Schätzung zufolge werden in Deutschland jedes Jahr 150.000 künstliche Hüftgelenke implantiert.
Ein Eingriff, der längst Routine ist. Rund 5000-mal im Jahr wird er alleine in den Berliner Krankenhäusern vorgenommen. Doch nicht immer müsste es gleich ein komplett neues Gelenk mit Gelenkpfanne, Gelenkkugel und Schaft sein. Manchmal genügt eigentlich auch ein sogenannter Oberflächenersatz. Ähnlich wie man einen kranken Zahn nicht unbedingt ziehen und durch ein Zahnimplantat ersetzen muss, sondern manchmal auch einfach mit einer Krone überkappen kann.
Der Trend zum Oberflächenersatz für Hüftgelenke ist noch recht jung, und dementsprechend wird er derzeit nur von wenigen Kliniken angeboten. In Berlin zählen zum Beispiel die DRK Kliniken mit ihrem 2003 eigens eingerichteten „Zentrum für Oberflächenersatz am Hüftgelenk“ und die Havelklinik in der Gatower Straße dazu.

Bei Letzterer ist Dr. Cyrus Sarem seit vielen Jahren auf den Oberflächenersatz spezialisiert.
Für ihn ist dieser Eingriff dort, wo er möglich ist, immer die Operation der ersten Wahl. „Weil er schonender ist, mehr Knochensubstanz rettet und die natürliche biomechanische Funktion des Hüftgelenks und auch die Beweglichkeit der Beine besser erhalten wird.“ So seien etwa Längendifferenzen zwischen dem rechten und dem linken Bein kein Thema, wenn die natürlichen Gelenke erhalten blieben, so Sarem. Bei dem Eingriff kommen Metallteile aus einer Cobalt-Chrom-Molybdän-Legierung zum Einsatz, wie sie von einschlägigen Firmen in allen Größen angeboten werden. Die Kunst für Chirurgen wie Cyrus Sarem besteht darin, sie exakt an der richtigen Stelle auf den Knochen zu setzen. Akkurates Platzieren der Metallaufsätze ist wichtig, denn eine schlecht sitzende Hüftkrone kann später zu einem Oberschenkelhalsbruch führen, der häufigsten Komplikation, die es nach einem Oberflächenersatz an der Hüfte geben kann.

Das Überkappen einer verschlissenen Gelenkkugel (l.) bewahrt Knochenmaterial, das beim vollständigen Gelenkersatz (r.) verloren geht

Als einer der wenigen setzt Sarem in der Havelklinik daher beim Überkappen der Hüftgelenkkugel ein computergestütztes Navigationssystem ein, das eine besonders präzise Positionierung des Implantats ermöglicht. Demnächst möchte der Chirurg auch den Oberflächenersatz in der Gelenkpfanne navigationsgestützt durchführen. Um noch präziser zu werden. „Wenn wir diesen Teil des Eingriffs noch optimieren können, dann lässt sich eventuell auch die spätere Beweglichkeit der Operierten noch weiter verbessern“, hofft Sarem. Wenn alles gutgeht, dann wird er Ende des Jahres seinen Plan umsetzen können.
Derzeit würde in Deutschland nur etwa jeder 20. Fall einer Hüftarthrose mit einem Oberflächenersatz behandelt, so Sarem. Ziel sei es, den Anteil dieser schonenden Alternative
zum künstlichen Gelenk auf 30 Prozent zu steigern. Aber dazu müssten sich auch mehr Kollegen an diesen Eingriff heranwagen, der eine lange Einarbeitungszeit erfordert, wie Sarem einräumt.

Infos unter: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.havelklinik.de/fachrichtungen.html