
Berlin hat Durchblick
In Spandau hat das US-Unternehmen Bausch&Lomb seinen weltweit zweitgrößten Standort und produziert Produkte rund ums Auge. Nun holt es seine europaweite Forschung an die Spree
Alles fürs Auge
Bausch & Lomb (B+L) mit Hauptsitz in Rochester, New York, ist einer der weltweit führenden Anbieter von technologieorientierten Produkten für das Auge, darunter Kontaktlinsen, chirurgische Instrumente und Pharmazeutika.
Das Unternehmen erwirtschaftet in 35 Ländern einen Jahresumsatz von über 2 Milliarden US-Dollar. Bekannt geworden ist B+L zudem über die Brillenmarke Ray-Ban, die 1937 als Tochterfirma von B+L mit Beteiligung des US Army Air Corps begründet wurde. Grundlage des legendären Erfolgs ist das Modell Aviator – eine Pilotenbrille mit schmalem, goldenem Fassungsrand und grünen Gläsern. 1999 verkaufte B+L die Marke an die italienische Luxottica-Gruppe.
Den ultimativen Blick über Berlin hat man bekanntlich vom Fernsehturm aus. Zumindest, wenn kein Nebel herrscht – und wenn man gute Augen hat. Wenn Träger von Kontaktlinsen auf der rotierenden Plattform stehen und ihre Augen schweifen lassen, dann ist es dabei gar nicht so unwahrscheinlich, dass sie den Weitblick einem Unternehmen verdanken, das ganz in der Nähe liegt – im Stadtteil Spandau.
Dort hat das US-amerikanische Unternehmen Bausch&Lomb seinen weltweit zweitgrößten Standort. Bausch&Lomb ist einer der global führenden Hersteller von Produkten für das Auge, so genannten Ophthalmika. In seinen drei Geschäftsbereichen Pharma, Vision Care und Surgical entwickelt, produziert und vertreibt die international über 11.000 Mitarbeiter zählende Organisation eine Vielzahl von Produkten, die für besseres Sehen sorgen – von Arzneimitteln über Pflegemittel und Präparate für die Augenchirurgie bis hin zu Kontaktlinsen. In allen Bereichen gehört Bausch&Lomb zu den weltweit führenden Herstellern.
Von Berlin-Spandau aus managt Bausch&Lomb mit seinem Tochterunternehmen Dr. Gerhard Mann Pharma unter anderem die Vertriebs- und Marketingaktivitäten seiner drei Geschäftsfelder für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Zudem stellt das Unternehmen in Spandau rund 150 Medikamente für das Auge her – von einfachen Augentropfen bis hin zu Glaukom-Präparaten.
Mehr als 600 Mitarbeiter gehören am Standort Berlin zu der Tochterfirma des US-Konzerns, die für ein Stück Berliner Unternehmens- und Pharmageschichte steht. Im Jahr 1945 gründete der Apotheker Dr. Gerhard Mann in Berlin-Wedding eine Apotheke und sorgte in den Jahren darauf für so manche wegweisende Innovation. 1953 erfindet er die erste pipettenlose Augentropfflasche, meldet diese zum Patent an und verkauft das Produkt erfolgreich in über 50 Länder.
Weitere Präparate folgen – und bald auch der Bau eines Produktionsbetriebs in Berlin-Spandau. Zu den Starprodukten gehört der Kopfschmerzklassiker Vivimed (1970), der bis heute vertrieben wird. Auf den Firmengründer Gerhard Mann, der 1962 stirbt, geht auch ein neues Therapiekonzept für das trockene Auge zurück.

- Ein Blick in die Bausch-&-Lomb-Produktion in Berlin-Spandau: Hier werden sterile Augensalben abgefüllt
1986 erwarb Bausch&Lomb die Firmenanteile an Dr. Mann Pharma, und baute seit den 1990er Jahren den Standort in Spandau sukzessive aus. Heute sind es jährlich rund 30 Millionen Flaschen Augentropfen und 30 Millionen Tuben Augensalbe, die von der Bausch-&-Lomb-Tochter produziert werden. Hinzu kommen 300 Millionen Augentropfen in Einzeldosen. Gerade diese stellen höchste Anforderungen an die Sterilität und sind eine besondere Spezialität der Spandauer.
Die Produktion in diesem Bereich wurde in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Zu den umsatzstärksten Produkten, die in Spandau produziert werden, gehört zum Beispiel Artelac. Das Präparat hält die Augen feucht und verbessert die Stabilität des Tränenfilms. „Flüssigpräparate in Einzeldosen sind unsere Königsdisziplin“, sagt Geschäftsführerin Gaëlle Waltinger nicht ohne Stolz. Mit Freude erfüllt sie auch, dass der Standort derzeit im Rahmen eines Neustrukturierungsprozesses für die Mutterfirma Bausch&Lomb immer mehr an strategischer Bedeutung hinzugewinnt.
„Das Unternehmen hat entschieden, sämtliche europäischen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Pharmabereich von Montpellier nach Berlin zu verlagern.“ Man habe erkannt, dass die deutsche Hauptstadt ein erstklassiges Wissenschaftsumfeld mit hoch qualifizierten Fachleuten zu bieten habe. Diese wolle man jetzt für die Forschung und Entwicklung rekrutieren. „In Berlin entsteht ein Centre of Excellence.“ Und das könnte erst der Anfang sein. „Wir wollen in Zukunft auch für den US-amerikanischen Markt produzieren und streben dafür eine Anerkennung durch die Zulassungsbehörde FDA an. Hierfür würden wir in Berlin auch zusätzlich investieren.“
In guter Gesellschaft befindet man sich allemal. Gaëlle Waltinger jedenfalls glaubt, beobachtet zu haben, dass immer mehr Unternehmen gezielt nach Berlin kommen. Überhaupt entwickle sich die Stadt speziell als Pharmastandort in rasantem Tempo. Und davon abgesehen gebe es auch sonst jede Menge Gründe für einen Umzug an die Spree: „Berlin ist sehr international – und eine der spannendsten Städte überhaupt."


