
Im Zentrum der Forschung
Forschung Am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) suchen Wissenschaftler neue Methoden zur Diagnose und Behandlung unterschiedlichster schwerer Krankheiten – mit gezieltem Blick auf den Nutzen des Patien

- Kürzlich ausgezeichnete Wissenschaftler des MDC (von oben nach unten): Dr. Lajos Mátés, Dr. Zsuzsanna Izsvák und Dr. Zoltán Ivics, die das springende Gen „Dornröschen“ mitentwickelten. Unten: Dr. Matthias Selbach, der den Analytica Forschungspreis 2010 erhielt
Alzheimer stellt eine der gefürchtetsten Erkrankungen unserer Zeit dar. Laut der deutschen Zeitschrift „Focus“ leiden weltweit 35 Millionen Menschen an dem schleichenden Gedächtnisverlust. Eine Zahl, von der man annimmt, dass sie sich in den kommenden 20 Jahren verdoppeln wird, weil die Menschen immer älter werden.
Um Strategien gegen Alzheimer zu finden, forschen Wissenschaftler rund um den Globus mit Hochdruck. Und auch in Berlin beschäftigt man sich intensiv mit der neurodegenerativen Erkrankung. Zum Beispiel am Max-Delbrück-Centrum (MDC) im Stadtteil Buch, das nach dem gleichnamigen Physiker, Genetiker und Nobelpreisträger benannt ist.
Hier haben Wissenschaftler einen Weg gefunden, den Alzheimer zugrunde liegenden Prozess, die Ablagerung giftiger Eiweißbruchstücke (Amyloide) im Gehirn, zu unterbinden – vorerst allerdings ausschließlich in Versuchen im Reagenzglas und in Zellkulturen. Dr. Jan Bieschkeund Prof. Erich Wanker setzen dabei auf die sogenannten Epigallocatechin-3-gallate (EGCG), eine der Substanzen, die in grünem Tee enthalten sind und diesen leicht bitter schmecken lassen. Die Studienergebnisse aus dem MDC sorgten im Frühjahr 2010 für viel Aufsehen sowohl in der Fachpresse als auch in der Öffentlichkeit.
Alzheimer ist indes nur eines von vielen Gebieten, die am MDC beforscht werden. Das 1992 gegründete Institut – angesiedelt auf dem Campus Berlin-Buch – ist eine von 16 Einrichtungen der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.
Im MDC forschen mehr als 50 unabhängige Gruppen auf unterschiedlichsten Gebieten von Zell- und Molekularbiologie, Entwicklungsbiologie, Strukturbiologie, Genetik/Genomik und Bioinformatik/Systembiologie. Unter den insgesamt 1417 Beschäftigten befinden sich 1163 Forscher, darunter 304 Doktoranden.
Das Tätigkeitsprofil ist breitgefächert: Die Wissenschaftler arbeiten im Bereich der Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, aber auch auf den Gebieten Krebs und Nervensystem.
Gemeinsames Ziel aller Aktivitäten ist es dabei,molekulare Mechanismen, und damit die Ursachen für die Entstehung komplexer Krankheiten, zu verstehen. Das MDC verbindet dazu Grundlagenforschung mit klinischer Forschung. Damit daraus Präventions- und Therapieverfahren erwachsen können, arbeiten die Wissenschaftler disziplinübergreifend.
Gezielt im Blick hat man dabei den Nutzen für die Patienten: Die Forscher arbeiten eng mit den Klinikern der Berliner Charité zusammen. Seit Anfang 2007 betreiben das MDC und die Charité auf dem Campus Buch sogar ein gemeinsames klinisches Forschungszentrum: das Experimental and Clinical Research Center (ECRC). Ziel der Einrichtung ist die Umsetzung grundlagenwissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Anwendung. Dabei ist man auch gerätetechnisch an vorderster Front: Das ECRC verfügt über einen der weltweit stärksten Magnetresonanztomographen (MRT) und wird seit März 2010 um ein Gebäude für experimentelle Forschung erweitert.
Das MDC ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts des Landes Berlin und wird als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren zu 90 Prozent durch den Bund und zu zehn Prozent durch das Land Berlin finanziert. Es versteht sich als reine Forschungseinrichtung. Um jedoch die Ergebnisse aus Labor und Klinik auch wirtschaftlich nutzen zu können, gründete es 1995 eine Gesellschaft, die einen Biotechnologiepark auf dem Campus Berlin-Buch entwickelt und mit Erfolg betreibt:
Bislang siedelten sich dort 47 Biotechnologiefirmen mit über 750 Mitarbeitern an. Erfolg haben indes auch die Wissenschaftler des MDC. Mit Regelmäßigkeit erhalten sie fachliche und öffentliche Anerkennung. Erst im Frühjahr 2010 wurden die Forscher Dr. Zsuzsanna Izsvák, Dr. Zoltán Ivics und Dr. Lajos Mátés für ihre herausragende Arbeit ausgezeichnet: Sie entwickelten gemeinsam mit Wissenschaftlern der Katholischen Universität Leuven, Belgien, das springende Gen „Dornröschen“, von dem man sich neue Impulse für die Gentherapie erhofft. Geehrt wurde auch der Biologe Dr. Matthias Selbach. Er erhielt den Analytica Forschungspreis 2010 für seine Methode zur Messung der Produktion Tausender Proteine. Es kann also keinen Zweifel geben: Seinem berühmten Namensgeber – dem Begründer der molekularen Biologie – macht das MDC alle Ehre.
www.mdc-berlin.de
Proteine im Mittelpunkt
Eiweiße (Proteine) spielen eine wichtige Rolle bei der Wirkung von Medikamenten – denn an ihnen docken die Wirkstoffe an, die in Tabletten oder anderen Präparaten enthalten sind. Heutige Medikamente kennen aber lediglich 500 Proteine, mit denen sie in Wechselwirkung treten können. Genau hier setzt die Arbeit
des Leibniz-Instituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) an, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Max-Delbrück-Centrum befindet und eng mit diesem zusammenarbeitet.
Im FMP forschen Wissenschaftler an Grundlagen für potenzielle Wirkstoffe, wobei die Struktur, Funktion und Interaktion von Eiweißen im Mittelpunkt steht. Die Wissenschaftler untersuchen verschiedenste Proteine und Substanzen – mit dem Ziel, neue Kombinationen zu entdecken. Gefunden haben sie bereits einen Wirkstoff gegen die Tuberkulosekrankheit sowie einen weiteren, der die Herzfunktion stabilisieren kann. Das FMP ist Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz. Träger der Einrichtung ist der Forschungsverbund Berlin. Finanziert wird das FMP als einzige außeruniversitäre pharmakologische Einrichtung Deutschlands mit seinen rund 220 Mitarbeitern vom Bund und dem Land Berlin.
www.fmp-berlin.de



