So wirkt Berlin
Gegengift

Klein und Fein

Im Stadtteil Rudow produziert das Medizintechnik-Unternehmen B. Braun Melsungen sterile Injektionslösungen – mit großem Know-how und in besonders kleinen Einheiten. Und der Standort wächst.

Die Produktionsanlage für die Herstellung des Narkosemittels Propofol bei B. Braun in Berlin

Wenn irgendwo in der Welt ein Patient nach einer Magenspiegelung aus der Narkose aufwacht und sich putzmunter fühlt, so kann es gut sein, dass der Grund für seine gute Verfassung im Berliner Stadtteil Rudow zu suchen ist.
Dort unterhält das Medizintechnik-Unternehmen B. Braun mit Hauptsitz im nordhessischen Melsungen einen von 14 Pharma-Standorten seiner Sparte Hospital Care. In Rudow stellen 330 Mitarbeiter Injektionslösungen aller Art her – von physiologischer Kochsalzlösung bis hin zu Beruhigungs- und Narkosemitteln und Schmerzpräparaten wie etwa Morphin. Zu den wichtigsten Produkten gehört dabei Propofol: Das Kurzzeit-Narkotikum hilft Menschen weltweit dabei, Eingriffe wie Magenspiegelungen oder Darmkoloskopie komfortabel zu überstehen – und schnell wieder aufzuwachen. „Unser Produkt ist vor einigen Jahren von B. Braun Melsungen entwickelt worden und bekannt dafür, dass es – anders als Konkurrenzprodukte – keine Venenreizungen verursacht“, so Werksleiter Wilhelm Schlemermeyer.

Rudow ist der Hauptstandort von B. Braun Melsungen für die Propofol-Produktion. 20 Millionen Ampullen des sedierenden Arzneimittels verlassen pro Jahr das Werk und werden von Berlin aus in die ganze Welt verschickt. „Im insgesamt 40.000 Mitarbeiter zählenden Unternehmensverbund von B. Braun sind wir in Rudow die Experten für kleine Einheiten“, charakterisiert Schlemermeyer den Produktionsstandort. „Alles, was klein und fein ist, kommt von uns.“ Konkret sind damit Ampullen von einem bis zu 20 Millilitern gemeint. 410 Millionen davon verlassen jährlich das Werk, 350 Millionen aus Kunststoff, 60 Millionen aus Glas. Mengenmäßig betrachtet macht physiologische Kochsalzlösung den größten Teil aus. Sie kommt in Kliniken und Arztpraxen etwa beim Spülen von Kathetern oder beim Verdünnen von Arzneimitteln zum Einsatz.

Weitere wichtige Rudower Produkte sind zum Beispiel die Schmerzmittel Morphin und Fentanyl. Und der Standort wächst: „Wir investieren derzeit 15 Millionen Euro in die Kunststoffampullen-Produktion und weitere zehn Millionen bei den Glasampullen“, so Schlemermeyer. Zur Produktionsfläche von 3.500 Quadratmetern werden somit weitere 500 hinzukommen. Zudem werden 25 bis 30 neue Mitarbeiter eingestellt. Für Schlemermeyer steht fest, dass Berlin ein positives Umfeld bietet. „In unmittelbarer Nähe befinden sich qualitativ hochstehende Institutionen. Außerdem herrscht eine starke Innovationsfreude. Viele Unternehmen arbeiten zusammen – auf sehr unbürokratische Art und Weise.“ Er selbst kooperiert derzeit mit einem auf Lasertechnologie spezialisierten Unternehmen, das Teile einer neuen Abfüllmaschine für den Standort entwickelt. Die Hightech-Firma wohnt fast nebenan – im fünf Kilometer entfernten Technologiepark Berlin Adlershof.
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