Interview
Alzheimer

SCHWER VERDAULICH!

Gemüse vom Markt ist das frischeste. Vitaminpillen tun dem Körper gut. Viel trinken muss der Mensch. Um uns herum hagelt es gut gemeinte Ernährungstipps.Doch viele stimmen nicht

Stimmts oder stimmts nicht? Bei genauer Analyse erweisen sich viele Ernährungsratschläge als falsch

Es gibt Themen, die gehören allen. Jeder ist Experte. Jeder gibt seinen Senf dazu. Das gilt für Fußball, Politik – und für Ernährung. Egal, ob es um den Nährwert einer Sellerieknolle oder um die Gründe für saures Aufstoßen in der Nacht geht – man kann sicher sein: Irgendjemand zieht den passenden Tipp aus dem Ärmel. Doch leider haben viele der vermeintlichen Weisheiten einen großen Fehler: Sie sind falsch.

Ernährungslüge Nummer eins: Wer Fleisch isst, stirbt früher

Vegetarier sind sich im Allgemeinen einig: Fleisch ist böse und ungesund. Wer es regelmäßig zu sich nimmt, der wird nicht alt. Epidemiologen des Deutschen Krebsforschungszentrums sind anderer Meinung. Von 1978 bis 1999 beobachteten sie 1904 Vegetarier und gesundheitsbewusste Nichtvegetarier. Ergebnis: Zwischen Fleischkonsum und Sterberisiko gab es keine Abhängigkeit. Es kann aber dennoch sinnvoll sein, auf Fleisch zu verzichten. Denn die vegetarischen Studienteilnehmer zeigten tendenziell ein geringeres Risiko, an einer koronaren Herzerkrankung zu sterben, als ihre Fleisch essenden Kollegen.

 

Ernährungslüge Nummer zwei: Viel trinken macht gesünder und schöner

Die Hollywoodstars machen es vor. Die meisten tragen jederzeit eine Wasserflasche mit sich herum. Denn merke: Je mehr man trinkt, umso gesünder, schlanker und schöner ist oder wird man. So wird zumindest immer wieder behauptet. Alles Humbug, wie eine Studie der Universität von Pennsylvania kürzlich ergab, Demnach fehlen für fast jede dem Wasser nachgesagte Wirkung wissenschaftliche Belege. „Der generelle Ratschlag, möglichst viel zu trinken, ist kompletter Unfug“, urteilt Dr. Jan Galle, Sprecher der deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Es genüge, ausreichend zu trinken – nämlich so viel, dass eine ausgeglichene Flüssigkeitsbilanz dabei herauskomme. Bei einer jungen, gesunden Frau seien das anderthalb bis zwei Liter. Alles, was darüber hinaus getrunken werde, habe keinen medizinischen Nutzen. Allerdings können durch reines Wassertrinken pro Tag bis zu 100 Kalorien zusätzlich verbraucht werden. Das ergab eine Studienreihe der Charité.

Ernährungslüge Nummer drei: Das gesündeste Öl ist Olivenöl

Die meisten Medienberichte über mediterrane Kost oder das „french paradox“ sind sich einig: Es gibt kein besseres Öl als Olivenöl! Ein Irrtum, wie die Autoren des Buches „Moderne Ernährungsmärchen“ klarstellen. Demnach sind Walnussöl, Lein- oder Rapsöl um ein Vielfaches reicher an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Olivenöl sei nicht das beste aller Öle, so Wissenschaftsjournalist und Mitautor Sven-David Müller-Nothmann: „Das ist ein Mythos.“

Ernährungslüge Nummer vier: Salat ist gesund

Jahrzehntelang hat man es uns versichert: Salat ist gesund, nahrhaft und vitaminreich! Wie ein Schock wirkte es da, als der Heilbronner Lebensmittelchemiker Udo Pollmer behauptete, das gelobte Gemüse habe nicht mehr Nährwert als ein nasses Taschentuch. Fakt ist: Ein Salat bringt pro 100 Gramm im Schnitt 16 Milligramm Vitamin C auf die Waage – Tomaten enthalten die doppelte Menge, und Weißkohl bringt es auf gleich dreimal so viel. Paprika hat sogar 140 Milligramm zu bieten. Nicht viel anders sieht es beim Beta-Carotin aus. Auch da ist Salat weit abgeschlagen. Und auch die Ballaststoffe retten den Blätterkopf nicht: Gerade mal 1,6 Gramm hat er drauf. Das ist zugegeben etwas mehr als die Tomate (0,9) – aber viel weniger als Paprika und Grünkohl. Die schaffen Werte um vier Gramm.

Ernährungslüge Nummer fünf: Frisches Gemüse ist am gesündesten

Es sieht knackig aus. Doch der Schein trügt gewaltig. Gemüse vom Markt oder aus dem Geschäft ist in Sachen Frische und Vitamingehalt oft enttäuschend. Meist wird es unreif geerntet, und wenn es nachreift, dann ohne Sonne und Nährstoffe. Außerdem lassen lange Lagerzeiten und Transportwege die Vitamine sukzessive verschwinden. Anders das Tiefkühlgemüse. Das wird reif und erntefrisch schockgefrostet – und ist daher vitaminreicher als die vermeintlich frische Konkurrenz.

Ernährungslüge Nummer sechs: Steinobst plus Wasser ergibt Bauchweh

Die Oma meinte es immer gut damit: „Pass auf, Kind – Pflaumen und Wasser vertragen sich nicht!“ Doch das macht die Regel auch nicht wahrer. Sie stammt aus grauer Vorzeit, als Wasser noch aus Brunnen kam und viele Bakterien enthielt. Die taten sich dann im Magen mit dem Obst zusammen – und verursachten Beschwerden.

Ernährungslüge Nummer sieben: Vitaminpräparate tun dem Körper gut

Man hört es allerorten, und irgendwann glaubt man selber dran: Unsere Nahrung liefert uns nicht die nötigen Nährstoffe, so heißt es. Wir sind chronisch unterversorgt. Unser Körper braucht Vitaminpräparate. Ein Irrglaube, gleich in mehrfacher Hinsicht. Denn nicht nur sind Menschen, die sich normal ernähren, ohnehin ausreichend mit Vitaminen versorgt. Viele Vitamine können bei Überdosierung sogar ernste Beschwerden auslösen. Beta-Carotin, eine Vorstufe von Vitamin A, erhöht zum Beispiel bei Rauchern das Krebsrisiko. Zu viel Vitamin A kann Gelbsucht zur Folge haben, eine Überdosierung an Vitamin B6 zu Nervenstörungen führen. Eine zu große Menge Vitamin D schwächt Muskeln und fördert die Verkalkung der inneren Organe. Und eine regelmäßige Überdosis Vitamin E hemmt die Blutgerinnung.

 

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