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Bürgerlich, mondän und sportlich

Bad Freienwalde, das älteste Kurbad der Mark Brandenburg, überrascht mit Kontrasten: hier der historische Stadtkern, dort italienisch anmutende Bäderarchitektur – und ein Wintersportzentrum

Plakat aus dem Jahr 1926

Brandenburg ist ein flaches Land.Doch 60 Kilometer nordöstlich von Berlin erhebt sich eine Hügellandschaft, und in die waldigen Hänge gemütlich eingebettet liegt Bad Freienwalde. „Diesen Bergen verdankt es alles, was es ist, von dort aus kommen seine Quellen und von dort aus gehen die Fernsichten ins Land hinein“, schreibt Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. Heute locken vier Aussichtstürme mit einem Panoramablick in das Oderbruch und das benachbarte Polen.

Der wahre Schatz von Freienwalde war seit jeher das Wasser. Mit der Entdeckung der Heilkraft der Quellen begann der Aufschwung der unbedeutenden Kleinstadt zum eleganten Modebad. Kurfürst Friedrich Wilhelm I., von Gicht geplagt, nutzte das Wasser auf Anraten seines Leibarztes, verspürte Linderung und legte 1684 den Grundstein für den Badebetrieb. Der brandenburgisch- preußische Adel folgte, später auch die feine Berliner Gesellschaft. Sie alle kurierten in Bad Freienwalde ihre Rheumaleiden – vor eleganter Kulisse. Die berühmtesten Architekten ihrer Zeit – David Gilly, Karl Friedrich Schinkel, Carl Gotthard Langhans und der Landschaftsgärtner Peter Joseph Lenné – brachten italienisches Flair nach Freienwalde. Davon ist heute noch viel zu sehen und zu spüren. Zum Beispiel tragen die Berge so wohlklingende Namen wie Monte Caprino oder Casa Rivera.

Der Weg von der Altstadt zum historischen Kurviertel führt direkt in die Belle Epoque. Frisch renovierte Villen in zarten Pastelltönen, geschmückt mit Türmchen, Stuck und herrschaftlichen Portalen, schmiegen sich an die bewaldeten Berghänge. Die Kureinrichtungen, „Gesundbrunnen“ genannt, liegen in einer parkartigen Wiesenmulde mit Blumenrabatten, Skulpturen und Bänken, die zum Verweilen einladen. Zwischen den Bäumen leuchtet das Kurmittelhaus, die Fassade in hellem Weiß und Rosé gefasst.

Schlichte Eleganz prägt den Kurort Freienwalde:die königliche Sommerresidenz,
eine der Skulpturen im Kurpark
und eine italienische Turmvilla.
Höhenflüge:Skisprungschanze

König Friedrich Wilhelm II. von Preußen ließ es 1789 als repräsentatives Logier- und Badehaus errichten. Ein Zeitzeuge berichtet: „Im ersten Stockwerke sind, außer dem ansehnlichen Flur, ein großer Speisesaal und sieben große Zimmer, deren jedes eine Nische zu einer Badewanne und eine Röhre hat, welche den Dampf des Badewassers aufnimmt und abführt.“ Die Gäste konnten sich also wohlfühlen. Wirksamer als das kurfürstliche Wasser ist das mineralstoffreiche Moor. Freienwalde nennt sich Moorbad, und eine neue Rehabilitationsklinik für orthopädische und rheumatologische Erkrankungen nutzt die Heilerde als Therapiegrundlage. Wer dennoch weiter die Heilkraft im Wasser sucht, muss zu der in Sandstein gefassten Kurfürstenquelle pilgern. Eleganz hat die Altstadt kaum zu bieten. Hier zeigt sich Freienwalde von seiner bescheidenen Seite: Behäbige Bürgerhäuser umrahmen den weiten Marktplatz.

Darin eingereiht liegt das Rathaus und trägt stolz als Zeichen bürgerlicher Macht das Stadtwappen im Giebel. Der hübsche Fachwerkbau mit dem Dachreiter, die ehemalige Kirche St. Georg, steht nun im Zeichen der Musik: Er dient als Konzertraum. Prägend für den Ort ist die gotische Backsteinkirche St. Nikolai. Sie vermittelt norddeutsche Bodenständigkeit. Im Oderlandmuseum ist viel über die Geschichte Freienwaldes und des Oderbruchs zu erfahren. Eine der Gassen führt direkt zum Schloss. Hier residierte um 1800 Friederike Luise, die Witwe des preußischen Königs, und brachte etwas höfischen Prunk in die Provinz. Überliefert sind Opern- und Schauspielaufführungen im Teehäuschen. 1909 erwarb der Industrielle und Außenminister der Weimarer Republik Walther Rathenau das Anwesen. Er betrachtete Schloss Freienwalde als Kleinod und rettete es vor dem sicheren Verfall. Eine Gedenkstätte im Haus erinnert an ihn.

Kurfürstliches Quartier: das Landhaus
Klassizistische Pracht am Marktplatz: das Rathaus

Doch nicht nur Historie hat Ferienwalde zu bieten: Auf den benachbarten Anhöhen kommen auch Wintersport-Begeisterte auf ihre Kosten: auf Deutschlands vier nördlichsten Skisprungschanzen. Hier können Weiten von 10 bis 66 Metern gesprungen werden. Doch der Wintersportverein von Bad Freienwalde will noch höher hinaus und plant den Bau von 90- und 125-Meter- Schanzen. Auf diesen kann man dann sogar das ganze Jahr über trainieren – auf nassen Matten, ganz ohne Schnee. Dennoch: Freienwalde wird sich nie zu einem Wintersportzentrum mit internationalem Anspruch entwickeln. „Nicht der Welttourist, nur die Mark selbst kehrt hier zum Besuche ein“, bemerkte schon Theodor Fontane. Doch die älteste Kurstadt der Mark Brandenburg weiß ja, wem sie ihre wahre Anziehungskraft zu verdanken hat: Kurfürst Friedrich Wilhelm I. Und dem Wasser, mit dem alles begann.

Mehr Informationen auf: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.bad-freienwalde.de