Medizintechnik
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Fachkraft gesucht

Die Gesundheitswirtschaft boomt. Und sie bietet Arbeitsplätze. Eine Studie zeigt: Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften bleibt weiterhin groß.

Ob Rettungsanitäter...

Die Urania in Berlin-Schöneberg. Ende Februar stand der geschichtsreiche Veranstaltungsort ganz im Zeichen der Gesundheitsberufe. Über 70 Unternehmen aus der Branche präsentierten sich auf der Job-Messe „Gesundheit als Beruf“ einem meist jungen Publikum. Dabei erfuhren die Schüler und Studenten anschaulich, wie vielfältig die Branche mit ihren zahlreichen Arbeitsfeldern ist. Von Pflege und Therapie über Verwaltung und Management, Medizintechnik und Biotechnologie bis hin zu Ernährung und Wellness reichte das Spektrum. Dabei gab es für die jungen Leute sogar noch Botschaften, die man in wirtschaftlich ansonsten schwierigen Zeiten eher selten hört.

Stelle frei. Unter 500 befragten Unternehmen gaben 44 Prozent an, freie Stellen zu haben, die noch nicht besetzt werden konnten.

„Wer sich für einen Gesundheitsberuf entscheidet, hat mit Sicherheit einen Job mit Zukunft gewählt“, sagte etwa der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Rolf Schwanitz, bei der Eröffnung der Ausbildungsmesse, die bereits zum zweiten Mal in Berlin stattfand und dabei vom Netzwerk Gesundheitswirtschaft HealthCapital Berlin-Brandenburg (HCBB) organisiert wurde.

Dass der optimistische Ausblick, den Schwanitz gab, durchaus begründet ist, belegt auch eine Studie, deren Ergebnisse am Rande der Ausbildungsmesse vorgestellt wurden. Ein markantes Fazit lautete: Es gibt schon heute viele freie Stellen. Die Untersuchung war federführend vom HCBB durchgeführt worden, um den Fachkräftebedarf der Gesundheitswirtschaft in der Region Berlin/Brandenburg zu ermitteln. Dieses in Deutschland bis dahin einmalige Fachkräftemonitoring erfolgte sowohl auf Basis vorhandener statistischer Daten als auch auf einer Befragung von rund 500 Betrieben in der Region. Darunter waren sowohl versorgende Unternehmen wie Krankenhäuser, Pflegeheime, Reha-Einrichtungen, Arztpraxen oder Apotheken als auch Pharma-, Biotechnologie- und Medizintechnik-Unternehmen sowie Einrichtungen der Forschungund Entwicklung.

Konkret gaben zum Zeitpunkt der Befragung 44 Prozent der 500 Betriebe an, über freie Stellen zu verfügen, die sie noch nicht besetzen konnten. Mehrheitlich resultierte dieser Personalbedarf aus Betriebserweiterungen, aber auch der Ersatz von altersbedingt ausscheidenden Kräften spielte eine wichtige Rolle. Gesuchte Fachkräfte waren unter anderem Ärzte, Physiotherapeuten, Medizinische Fachangestellte, Technische Angestellte, Chemie- und Biologielaboranten, Altenpfleger und Altenpflegerhelfer, Gesundheits- und Krankenpfleger und Sozialversicherungsfachangestellte.

Und ganz offenbar scheint es zum Teil gar nicht mehr einfach zu sein, geeignete Kräfte für freie Stellen zu finden. 57 Prozent der Befragten räumten jedenfalls Probleme bei der Stellenbesetzung ein – also noch mehr als die oben genannten 44 Prozent. Das heißt: Auch bei denen, die derzeit keine freie Stelle hatten, hatte man schon mal Schwierigkeiten bei der Bewerbersuche gehabt.

Diese Zahlen sind auch deshalb alarmierend, weil die Gesundheitswirtschaft eigentlich boomt und auch künftig neue Kräfte benötigen wird. Schon zwischen 1999 und 2007 wuchs die Wirtschaftleistung dieser Branche von rund elf auf knapp 14 Milliarden Euro. Dabei stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berlin um 3,5 und in Brandenburg sogar um elf Prozent. Insgesamt waren 2007 in beiden Bundesländern eine Viertelmillion Menschen in Gesundheitsberufen tätig.

In einigen Teilbereichen war der Personalzuwachs besonders ausgeprägt. Im Komplex „Forschung und Entwicklung/chemische Untersuchungen und Beratungen“ etwa hat sich die Belegschaft binnen acht Jahren fast verdoppelt. Und bei der Herstellung medizintechnischer Erzeugnisse stieg die Belegschaft im selben Zeitraum um fast ein Drittel. Eine Detailanalyse zeigte, welche Berufsgruppen dabei besonders stark gefragt waren. So hat sich etwa die Zahl von Glasbearbeitern, Funk- und Tongerätemechanikern sowie Elektrogerätebauern mehr als verdoppelt, die der Elektroingenieure vervierfacht, und als sogenannte Elektrogerätemontierer arbeiteten 2007 fast 17 Mal so viele Menschen wie noch 1999.

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Und es wird mit einem weiteren Wachstum der Branche gerechnet. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer liegt in der demografischen Entwicklung. Eine Gesellschaft, in der viele Menschen immer älter werden, hat wachsenden Bedarf an Altenpflegern, Krankenschwestern und Ärzten. „Diese Jobs sind auch in Zukunft sicher“, glaubt dann auch der Arbeitsmarktexperte des Instituts für Wirtschatsforschung Halle (IWH), Herbert Buscher. Dasselbe gelte für Arbeitsplätze in der Medizintechnik und der Biotechnologie.

Auch die jüngste Befragung aus der HCBB-Studie legt diesen Bedarf nahe. 60 Prozent der Berliner und 39 Prozent der Brandenburger Studienteilnehmer rechnen kurzfristig mit einem weiter steigenden Beschäftigungsbedarf. In den Bereichen Forschung und Entwicklung, chemische Untersuchungen, Beratungen und auch bei Herstellern chemischer Erzeugnisse liegt diese Quote sogar über 60 Prozent. Dagegen gehen nur wenige Unternehmen von einem abnehmenden Personalbestand aus, darunter vor allem einige Krankenhäuser und Brandenburger Arztpraxen.

Ein anderes Phänomen verstärkt die Jagd nach neuen Mitarbeitern noch: der zuletzt immer mehr gestiegene Altersdurchschnitt der Belegschaften. So ist der Anteil der Über- 55-Jährigen bis 2007 auf 11,2 Prozent gestiegen. Ein Durchschnittswert, der bei bestimmten Fachkräften noch höher liegt. So ermittelte die Studie bei medizinischen Laboranten einen Anteil von 16,0 Prozent, bei Apothekern 15,8 und bei Ärzten 14,5 Prozent.

Bis 2013 rechnet die Gesundheitswirtschaft in Berlin und Brandenburg mit über 23.000 Verrentungen – das sind fast zehn Prozent der Beschäftigten. In den darauffolgenden Jahren könnte sich die Verrentungsquote noch erhöhen. Das wird am Beispiel der Krankenschwestern und -pfleger in der Altersgruppe 60 bis 64 deutlich. In Berlin hat sich deren Zahl binnen acht Jahren mehr als verdoppelt, in Brandenburg sogar beinahe verfünffacht. Ein Blick auf die darunter liegenden Altersgruppen zeigt, dass diese Zahlen sich künftig weiter erhöhen dürften. Und damit auch die der anstehenden Verrentungen.

Praktisch alle Betriebe geben „Neueinstellungen“ als das wichtigste Instrument an, Ersatz für die altersbedingten Abgänge zu schaffen. Bloß, was, wenn sich die Suche nach Fachkräften immer schwieriger gestaltet?

Die genannten 57 Prozent, die Schwierigkeiten bei dieser Suche angaben, beklagten bei Bewerbern vor allem den Mangel an Zusatzkenntnissen, Beruferfahrung, technischem Fachwissen und Vertriebskompetenz. Mitunter scheitern Stellenbesetzungen aber auch am Einverständnis der Bewerber. Nichterfüllte Gehaltsforderungen, zu belastende Arbeitsbedingungen sowie unattraktive geografische Lagen sind ebenfalls Ursachen dafür, dass manche Stellen nur schwer zu besetzen sind, wie die Studie ergab.

... oder Augenoptiker. Über viele Gesundheitsberufe konnten Interessierte auf der Messe „Gesundheit als Beruf“ in der Berliner Urania kennenlernen. Dabei wurde auch

Viele Betriebe tun sich aber nicht nur mit der Suche nach Fachkräften schwer, sondern auch mit der eigenen Ausbildung solcher Kräfte. So fiel in der Studie auf, dass die Ausbildungsquote in vielen Bereichen der Gesundheitswirtschaft Berlins und Brandenburgs zuletzt rückläufig war. Lediglich forschende Unternehmen sowie Biotech-Unternehmen hatten ihre Quoten gesteigert. Beunruhigend ist auch der Befund, dass einige Betriebe, die derzeit noch ausbilden, dies in Zukunft nicht mehr tun wollen.

Nach derlei Ergebnissen war ein Fazit der Studie eindeutig: „Beschäftigungswachstum und Alterung sind künftig nicht mehr mit bisherigen Verfahren der Fachkräftegewinnung zu meistern.“ Professor Dr. Günter Stock, Sprecher des Netzwerks HCBB, mahnte dann auch umgehend „Maßnahmen für Aus- , Fort- und Weiterbildungen“ an. Dr. Carsten Kampe von der Landesagentur für Struktur und Arbeit Brandenburg reagierte ähnlich und forderte „innovative Strategien der Aus- und Weiterbildung“.

Bei der Industrie- und Handelskammer Berlin verfolge man bereits das Ziel, die betriebliche Ausbildung direkt in der Gesundheitswirtschaft selbst zu stärken, so deren Hauptgeschäftsführer Jan Eder. Geplant sei außerdem eine Veranstaltungsreihe, bei der Lehrer und Schüler Einblicke in Unternehmen der regionalen Gesundheitswirtschaft erhalten. Außerdem sollen die Berufsbilder modularisiert werden, um der Komplexität des Berufsalltags Rechnung zu tragen.

So viel ist gewiss: Es wird großer Anstrengungen und vieler Maßnahmen bedürfen, um gezielt und besser zu qualifizieren. Aber so groß der Aufwand auch ist, der nötig ist, um den künftigen Bedarf der Gesundheitswirtschaft an Fachkräften zu befriedigen, es dürfte die Mühe wert sein. Auch Günter Stock lässt darüber keinen Zweifel: „Es gibt keine Branche, die dafür lohnender wäre.“ Und er betont, dass sich das Netzwerk HealthCapital Berlin-Brandenburg hier auch weiterhin vielfältig engagieren wird. Nicht zuletzt mit Veranstaltungen wie der Messe „Gesundheit als Beruf“ in der Urania.

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