Interview
Neu in Berlin - Karl Storz

Congress City

Berlin ist eine Reise wert. Das sagen sich nicht nur Touristen, sondern auch immer mehr Veranstalter von Tagungen und Kongressen. Weltweit gilt die deutsche Hauptstadt inzwischen als fünftwichtigster Ort für Großkonferenzen

Die Hauptstadt verfügt über zahlreiche Veranstaltungsorte mit besonderer Note. Hier: das Atrium des axica Kongress- und Tagungszentrums Berlin am Pariser Platz.

Es war so etwas wie der Achttausender der internationalen Gesundheitskongresse. Die weltweite Elite der Gesundheits- und Politikwelt reiste an, als Mitte Oktober in Berlin zum ersten World Health Summit geladen wurde. Das medizinische Gipfeltreffen war dabei auch so etwas wie ein Ritterschlag für die deutsche Hauptstadt. Sie glänzte als Veranstaltungsort – und stellte einmal mehr ihren Ruf als Standort mit großer Medizingeschichte unter Beweis. Ausrichter des Gipfels war denn auch eine Berliner Medizin- Institution von Weltgeltung: die Charité-Universitätsmedizin Berlin, die 2010 ihr 300-jähriges Bestehen feiert. Auf der Agenda der rund 500 Kongress-Teilnehmer standen die ganz großen Themen der Gesundheitspolitik: demografische Entwicklung, und steigende Kosten der Gesundheitssysteme, gesundheitliche Auswirkungen des Klimawandels und neue Epidemien wie Fettleibigkeit und Demenzen – und natürlich die aktuelle Wirtschaftskrise. Diese mag viel ins Wanken bringen – nur Berlin als Austragungsort großer und kleiner Kongresse nicht. Auch wenn die Medien es nicht jeden Tag lautstark vermelden: Tag für Tag treffen sich Tausende von Menschen irgendwo in der Spreestadt auf einer Tagung.

2008 kamen über acht Millionen Menschen nach Berlin, um an einer der fast 105.000 Tagungsveranstaltungen teilzunehmen.

Im Jahr 2008 fanden in Berlin fast 105.000 einzelne Veranstaltungen statt – Tagungen, Konferenzen, Seminare oder besondere Events. Sie wurden von insgesamt fast 8,2 Millionen Teilnehmern besucht. Das war sowohl hinsichtlich Anzahl als auch Teilnehmerzahl ein leichtes Plus gegenüber 2007. Eine der dominierenden Branchen ist dabei bereits seit Jahren die Gesundheitswirtschaft. „Berlin hat einen hervorragenden Ruf als Stadt für medizinische Kongresse und ist in dieser Hinsicht eine der ersten Destinationen in Deutschland“, bestätigt auch Heike Mahmoud, Director Conventions beim BCO.
2008 stammten elf Prozent aller Veranstaltungen aus dem Komplex, den das Berlin Convention Office (BCO) unter „Chemie, Pharma, Kosmetik“ führt. Hinzu kamen fünf weitere Prozent in der separat geführten Kategorie „Medizin“. Damit ist der Gesundheitskomplex insgesamt stärker als beispielsweise die Sparte „Handel, Banken, Versicherungen“ (elf Prozent). Und die Bandbreite ist groß. Relativ allgemeine und übergeordnete Veranstaltungen wie etwa „Mensch & Gesundheit. Erlebnismesse für gesunden Leben“ oder die „Gesundheitsmesse Berlin-Brandenburg“ sind ebenso dabei wie deutlich speziellere Zusammenkünfte, darunter etwa der „1. Wirbelsäulenkongress Vivantes 2008“ oder die „conhIT 2008 – Der Branchentreff für Healthcare IT “, wo Informationstechnologie für die Gesundheitsbranche im Fokus steht.

Exzellentes Angebot

Freut sich über eine gute Entwicklung im Berliner Kongress-Geschehen: Heike Mahmoud vom Berlin Convention Office (BCO)

Berlin verfügt über eine erstklassige Infrastruktur für Tagungen aller Art. Mehr als 300 Anbieter von Veranstaltungsräumen stellen insgesamt rund 440.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Dabei entfallen allein 58.000 Quadratmeter auf sechs größere Zentren und Hallen wie das ICC Berlin mit über 9.000 Sitzplätzen oder die arena Berlin mit 5.000 Plätzen. Über die Hälfte aller Anbieter sind Hotels. Hinzu kommen noch 140 Orte, die das Berlin Convention Office (BCO) als „außergewöhnliche Veranstaltungsflächen“ führt. Dazu zählen etwa das Tempodrom, der Filmpark Babelsberg, der Admiralspalast oder das Palais am Funkturm. 2008 zählte das BCO 104.600 Veranstaltungen (2007: 101.200) mit 8,15 Millionen Besuchern (2007: 7,97 Millionen). Der Anteil internationaler Veranstaltungen betrug 23 Prozent. Im Schnitt blieb jeder Teilnehmer 1,7 Tage (2007: 1,6 Tage), und das BCO geht von 4,7 Millionen kongressbedingten Übernachtungen aus (2007: 4,48 Millionen). Pro Tag gaben die Teilnehmer geschätzte 188 Euro in Berlin aus.

Für Heike Mahmoud ist die Beliebtheit Berlins auch in Healthcare-Kreisen alles andere als ein Zufall. Als wichtigen Grund dafür macht die Fachfrau nicht zuletzt die medizinhistorische Bedeutung der Stadt aus. Schließlich haben große Mediziner wie etwa Robert Koch (1843-1910) oder Rudolf Virchow (1821-1902) in Berlin gewirkt. Die Vielzahl international anerkannter medizinischer Einrichtungen wie etwa die Charité sei ein weiteres Plus. Auch berühmte Persönlichkeiten der Medizinwelt wirken ihrer Meinung nach als starke Magneten.

Auch der Admiralspalasts und die Caligari Halle (von links) werden gerne für Tagungen genutzt

Dass Berlin beispielsweise ein traditionell beliebter Veranstaltungsort für Kardiologie-Kongresse ist, läge mit Sicherheit auch daran, „dass wir mit Professor Roland Hetzer am Deutschen Herzzentrum Berlin eine weltweit renommierte Koryphäe vor Ort haben“, so Mahmoud.

Berlin punktet mit namhaften Einrichtungen, renommierten Persönlichkeiten, seiner Lage im Herzen Europas – und auch mit attraktiven Preisen.

Neben solchen branchenspezifischen Kriterien punktet Berlin als Kongressstadt aber auch durch viele andere Faktoren. Etwa durch die Lage mitten im Herzen Europas. „Die Nähe zu den neuen EU-Ländern ist für osteuropäische Kongress- Teilnehmer extrem günstig“, weiß Heike Mahmoud. Und auch was die Hotelpreise angeht, habe man gegenüber anderen Kongressstädten wie etwa Frankfurt am Main die Nase vorn. Das liege auch daran, dass viele Anbieter miteinander konkurrieren und so das Preisniveau vergleichsweise günstig halten. Das kommt Kongress-Teilnehmern, die ja meist Selbstzahler sind, natürlich sehr entgegen.“ Und auch viele Unternehmen versuchen inzwischen, bei ihren Reisebudgets zu sparen. Derzeit wächst das Übernachtungsangebot sogar weiter. „Berlin verfügt über 102.000 Hotelbetten, und es werden ständig mehr“, so Mahmoud.

Das ICC Berlin, direkt am Funkturm, ist ein Flaggschiff unter den Kongresszentren. Buchungen reichen bis ins Jahr bis 2019

Für viele Besucher besonders attraktiv sind natürlich auch das Flair, die Historie und das kulturelle Angebot der deutschen Hauptstadt. „Wer in Berlin einen Kongress besucht, der ist am Rande in der Regel begeistert von der Offenheit und dem multikulturellen Ambiente“, so Mahmoud. Da ist es also kein Wunder, dass Berlin auch den internationalen Vergleich nicht scheuen muss. Die International Congress and Convention Association (ICCA) in Amsterdam führt die deutsche Hauptstadt in ihrer Auswertung des Jahres 2008 als weltweit fünftwichtigsten Ort für internationale Verbandskongresse, hinter Paris, Wien, Barcelona und Singapur. Was die ICCA-Statistik auch zeigt: Jede vierte Großveranstaltung, die in Deutschland ausgerichtet wurde, fand in Berlin statt.

Von 402 großen Kongressen, die 2008 in Deutschland ausgerichtet wurden, fanden 100 – und damit jeder vierte – in Berlin statt.

Trotzdem sind Berliner Kongresse kein Selbstläufer. Man muss auch etwas tun, um Veranstalter anzulocken und zu binden. Genau darum kümmert sich das BCO, das als Repräsentanz der Stadt Berlin im Bereich Kongresse, Tagungen, Firmen-Events und Incentives fungiert. Inzwischen sind elf Vollzeitstellen damit beschäftigt. 2001, als das BCO seine Arbeit aufnahm, waren es noch zwei. Eine Arbeit, die sich lohnt. 2008, so wurde geschätzt, sicherte das Berliner Kongressaufkommen knapp 30.000 Vollzeitarbeitsplätze in der Stadt. „Wir arbeiten auf Hochtouren, um weitere große Kongresse hierherzuholen“, sagt Mahmoud. Und dabei gibt es ständig neue Erfolge – auch im Bereich Medizin. So wird etwa der „Deutsche Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie“ bis 2015 jährlich im ICC Berlin tagen. Eine Veranstaltung mit über 10.000 Spezialisten. Stammgast ist bis 2016 auch die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie mit jährlich etwa 6.000 Teilnehmern. Bis 2012 will auch die Deutsche Krebsgesellschaft im ICC Berlin zusammenkommen – mit jeweils rund 15.000 Teilnehmern. Und auch der „Hauptstadtkongress Medizin + Gesundheit“ (rund 7.500 Teilnehmer) und die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde haben ihre nächsten Jahrestagungen schon nach Berlin gelegt. Auch wenn der Word Health Summit eindeutig der Gipfel war, ist also klar: In Zukunft ist von der Kongressstadt Berlin noch viel zu erwarten. 

Mehr Informationen auf: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.berlin-convention-office.com